Geschichte des Flugsportverein Rosenheim

Der Flugsportverein Rosenheim wurde 1951 gegründet. Doch bereits in der Vorkriegszeit hatte es in Rosenheim fliegerische Aktivitäten gegeben. 1925 wurde ein „Flugsportverein Rosenheim e.V.“ gegründet, und 1932 kam ein „Segelfliegerclub Aar Rosenheim“ hinzu. Inwieweit die beiden Clubs in Konkurrenz zueinander standen, ist heute nicht mehr ersichtlich. Es wurden verschiedene Flugplatzprojekte verfolgt, die aus unterschiedlichen Gründen im Sande verliefen. Probestarts mit dem Gummiseil erfolgten an verschiedenen Orten. Es wurde auch ein Segelflugzeug („Grüne Post“) gebaut und am 11.6.1933 in Prien feierlich getauft. Aber das war auch das Ende. Beide Vereine gingen nach 1933 „freiwillig“ im neu geschaffenen „Deutschen Luftsport Verband“ Ortsgruppe Rosenheim auf. Auch die verschiedenen Flugplatzprojekte der Rosenheimer Flieger hatten sich damit erledigt.

„Segelflug-Interessengemeinschaft Rosenheim“

Dem heutigen FSV Rosenheim ging eine Vereinigung voraus, die 1950 noch unter dem alliierten Flugverbot entstand und sich „Segelflug-Interessengemeinschaft Rosenheim“(SIG) nannte, im Grunde eine Tarnorganisation. In Deutschland war es noch nicht möglich, aber in Kufstein durften auf Einladung der dortigen Segelflieger die Rosenheimer bereits vor 1950 die ersten Starts machen. Und nach Aufhebung des Flugverbots reagierten sie sofort. Am 20.5.1951 wurde die SIG im Vereinsregister als „Flugsportverein Rosenheim e.V.“ eingetragen.
Den Verein gab es jetzt, aber sonst fast nichts. Kein

Kein Geld, kein Fluggerät

Den Verein gab es jetzt, aber sonst fast nichts. Kein Geld, kein Fluggerät und keine Werkstatt, – und schon gar keinen Flugplatz. Es waren ja alle arm damals, so kurz nach dem Krieg und der Währungsreform. So wurde gesammelt und gebettelt, und mit kleinsten Beiträgen der Grundstock geschaffen, mit dem dann der Rohbau eines Doppelsitzers (Mü 13 E) bei der Firma Scheibe bestellt wurde. Die Fertigstellung erfolgte aus Ersparnisgründen in Eigenarbeit. Der erste Start war am 18.4.1953. Ebenso baute der Verein eine Segelflugwinde. Der Flugbetrieb erfolgte „ambulant“ : in Rosenheim beim Hofbräukeller, auf dem ehemaligen Luftwaffenplatz in Aibling, in Prien und Unterwössen.

ersten Probestarts in Flintsbach am 18.10. 1953

Dieses Zigeunerleben fand mit den ersten Probestarts in Flintsbach am 18.10. 1953 sein Ende, nachdem mit massiver Unterstützung des damaligen Ortspfarrers die Grundstücksfrage gelöst werden konnte. Flintsbach wurde zur Heimat des FSV Rosenheim für 4 Jahrzehnte, ist es im Grunde bis heute – auch nach Schließung des
Segelflugplatzes im August 1990. Es wurden nach und nach weitere Segelflugzeuge angeschafft. Am 2.8.1959 konnte die in Eigenarbeit errichtete Fliegerhalle eingeweiht werden. „Der FSV Rosenheim ist zwar … nicht groß, aber beim Bau der Halle hat es sich wieder einmal gezeigt, dass sich auch mit wenigen Mitgliedern viel erreichen lässt“ berichtete das OVB vom 3.8.1959. Das angestiegene Vereinsvermögen war nicht dem plötzlichen Zuwachs von Reichtum oder einem Sponsor zu verdanken. Vielmehr kam etwa 1960 die Idee auf, mit der Veranstaltung eines Fliegerfests die Vereinskasse aufzubessern. Das entwickelte sich gut – es gab ja noch keine Konkurrenz – und wurde schließlich zum größten Volksfest im unteren Inntal. Publikumswirksame Flugtage, die zwischen 1957 und 1964 unter internationaler Beteiligung auf den Wiesen bei Pang stattfanden, zogen tausende von Zuschauern an und verbesserten gleichfalls die finanzielle Situation des Vereins.

dunkle Wolken über dem Segelfluggelände Flintsbach

1987 zogen sich dunkle Wolken über dem Segelfluggelände Flintsbach zusammen. Die Gemeinde beabsichtigte die Ausweisung von Bauland für Einheimische, wodurch die ohnehin knappe Platzlänge auf ein unzulässiges Maß verkürzt wurde, worauf das Luftamt den Entzug der Platzgenehmigung androhte. Der Verein machte sich sofort auf die Suche nach einem Ersatzgelände, traf hierbei aber auf ungewöhnliche und in ihrer Heftigkeit unerwartete Schwierigkeiten. Es wurden insgesamt 12 mögliche Standorte geprüft, verhandelt und vorangetrieben, um schließlich wieder zu scheitern. Bei dem hoffnungsvollsten Projekt zwischen Au bei Feilnbach und Kreuzstraße – es war das zwölfte und die Zeit bis zum Baubeginn in Flintsbach wurde knapp – kam es sogar zu einem Probeflugbetrieb auf dem Gelände am 28.10 1989. Aber ortsansässige Flugplatzgegner hatten eine Pressekampagne entfacht und versuchten den Flugbetrieb mit brachialer Gewalt zu verhindern, angeblich aus Naturschutzgründen, tatsächlich als Nebenkriegsschauplatz im Kommunal-Wahlkampf. Als die Obere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern auf die Seite der Gegner schwenkte und auch die Gemeinde Feilnbach die bisherige Unterstützung zurückzog, war das schöne Projekt gestorben.

Eine 37jährige Ära war zu Ende

Am 12.8.1990 startete zum letzten Mal ein Segelflugzeug in Flintsbach. Als am nächsten Tag die ersten Baukräne aufgestellt wurden, entzog das Luftamt die Zulassung. Eine 37jährige Ära war zu Ende, und kein Ersatz gefunden.
Die Rettung kam aus Brannenburg. Nach tatkräftiger Unterstützung durch die Gemeinde konnten die Betriebsflächen für das neue Segelfluggelände gepachtet werden. Die Regierung von Oberbayern erteilte schnell und unbürokratisch eine vorläufige Außenstart- und –landeerlaubnis, eine elektrische Freileitung musste verkabelt und ein Graben verrohrt werden, und dann konnte bereits am 20.5.1991 das erste Segelflugzeug in Brannenburg starten.

60. Vereinsjubiläums

Die beiden Motorsegler durften zunächst noch in Flintsbach bleiben und auf der stark verkürzten Bahn starten. Erst als der Verpächter das Gelände für den Mais-Anbau benötigte, ergab sich die Notwendigkeit, auch diese auf den Platz in Brannenburg zu holen, also dort eine Unterstellmöglichkeit zu schaffen. Die Halle, ein landestypischer Stadel, wurde am 3.10.2011 anlässlich des 60. Vereinsjubiläums eingeweiht. Seither fliegt der FSV von Brannenburg aus, wenn auch unter erschwerten Umständen: die Segelflugzeuge müssen für den Flugbetrieb auf- und abgebaut werden, Werkstatt und Fliegerheim sind 2 km entfernt in Flintsbach.
Die Flintsbacher Flieger haben es akzeptiert.

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