Wie alles begann

Aus dem "Rosenheimer Anzeiger" des Jahres 1950: "Segelflug bleibt weiter verboten", "Hohe Kommission bestätigt ausdrücklich das Verbot des Segelfluges". "... Wenn man den Sport als die spielerische Entfaltung und Betätigung der kämpferischen Eigenschaften des modernen Menschen definiert, dann verdient der Segelflugsport ohne Zweifel die hohe Bezeichnung, die Königin aller Sportarten zu sein. .... Lasst die deutsche Jugend wieder segelfliegen! Ihr tut damit mehr für den Frieden und die Verbindung der Völker als ihr ahnt ..." J.M. Bayer, "Wendelsteintagblatt" vom 12. August 1950. Als sich im Mai 1950 die vielen Sport- und Segelfliegen des Stadt- und Landkreises Rosenheim zu einer Segelflug-Interessen-Gemeinschaft zusammenschlossen, verboten noch die Kontrollratsbestimmungen "den Besitz, die Unterhaltung oder den Betrieb von Flugzeugen aller Art, oder irgendwelcher Bestandteile davon". Erster Vorsitzender der SIG was H. Semmelmann, ab Oktober 1950 Hans Mitterer. Die kameradschaftliche Unterstützung des Kufsteiner Segelflieger-Clubs, vor allem von dessen Vorstand Alois Hasenknopf, ermöglichte so manchem Mitglied der SIG im Sommer, sich über den Hängen des Kaisergebirges erstmals wieder in den Lüften zu tummeln.

1951 Es darf wieder geflogen werden

"Rosenheimer Anzeiger" vom 20. Juni. 1951: "Die Alliierte Hohe Kommission hat den deutschen Segelflug freigegeben. Damit ist das bisher bestehende Verbot, Segelflugzeuge herzustellen, ein- oder auszuführen, zu befördern und zu besitzen, aufgehoben...". Von nun an ging"s bergauf! Die SIG wurde in "Flugsportverein Rosenheim e.V." umbenannt. Die Vorstandschaft nach den Neuwahlen: Erster Vorsitzender: Hans Mitterer; Zweiter Vorsitzenden: Karl Herget; Schriftführer: Alwin Waldmann; Schatzmeister: Hermann Robeus; Technischer Leiter: Rudi Watzka; Rechtsbeistand: Dr. Waizmann. Fluglehrer der ersten Stunde: Hans Mitterer, Jakl Huber, Sepp Ettenhuber und Rudi Watzka.
Es war immer so: Die Segelfliegerei wurde von Idealisten geschaffen und ausgeübt, von Leuten also, die nicht mit Reichtum gesegnet waren. Nun war das Fliegen endlich erlaubt, aber es fehlt das Geld zum Kauf eines Flugzeuges. So stellt Schreinermeister Jakl Huber seine Werkstatt zur Verfügung, während die Mitglieder durch eine Sammelaktion und eine Ausstellung am Ludwigsplatz das nötige Startkapital erbetteln. Eine Mü 13 e der Firma Egon Scheibe in Dachau wurde im Rohbau erstanden. Unter der Gesamtleitung von Alfons Heigl und tatkräftigt unterstütz von Alfred Calligaro konnte das Flugzeug bespannt, lackiert und beschriftet werden. Der erste vereinseigene Doppelsitzer war im Frühjahr 1953 startklar.

Segelfluggelände Flintsbach-Riesenkopf

.. Sepp Dasch aus Nicklheim, Flieger aus Berufung, erforschte über eine lange Zeit die Aufwindverhältnisse im Inntal. Die Ergebnisse waren vielversprechend. Nach dem Fluggelände am Hofbräukeller und dem ehemaligen Luftwaffen-Flugplatz Bad Aibling wurde Flintsbach die neue Heimat der Segelflieger und ist es heute noch.
In Memoriam: Sepp Ettenhuber - Wilhelm Kriechbaum Startkladde vom 8. August 1954: Startzeit: 11.05; Flugzeug: D - 1087 - Mü 13 e; Flugzeit: 10 Sekunden; tödlicher Absturz. Eine unglückselige, einmalige Verkettung technischer Art war die Unfallursache. Zehn Tage später wurde in Flintsbach der neue Doppelsitzer Mü 13 D - 1209 auf den Namen "Sepp" zur Erinnerung an den verunglückten Fluglehrer geweiht.

Der FSV wächst - Ära Alfred Calligaro

Sepp Dasch OVB vom 31. August 1957: Die Segelflieger stellen vor: "Spatz 55". Auf dem Max-Josefs-Platz wird am 1. September 1957 die neue Maschine des FSV geweiht. "Spatz" und Mü 13 segelten 1958 rund 150 Stunden über dem Inntal. Die Neuwahlen 1958 hatten folgendes Ergebnis: Erster Vorsitzender: Alfred Calligaro; Zweiter Vorsitzender: Alwin Waldmann; Schriftführer: Erich Schaad; Kassier: Heinz Hofmann; Werkstattleiter: Sepp Kronast; Flugbetriebsleiter: Sepp Dasch. Großflugtage in Pang (1958 bis 1964) mit Tausenden von begeisterten Zuschauer brachten Geld in die Kasse des Vereins. Neue Flugzeuge, eine Ka 6 CR, ein Doppelsitzer Bf II 55 D-1806, wurden beschafft, eine Ka 8 im Eigenbau erstellt.

Sepp DaschOVB vom 3. August 1959: Ein festes Dach für die Bergfalten - Die Flugzeughalle des FSV wurde eingeweiht - Alle Hilfsarbeiter und Handlangerarbeiten wurden von den Mitgliedern selbst besorgt: sie hoben für die Fundamente die Erde aus, sie betonierten und planierten, sie nagelten und hobelten, sie deckten das Dach. Alfred Calligaro ging seinen Männern dabei mit bestem Beispiel voran..."
Die Traunreuter Segelflieger-Gruppe unter ihrem engagierten Vorsitzenden Reinhold Henning schließt sich dem FSV an und fliegt mit zwei Segelflugzeugen in Flintsbach. Ein Motorsegler SF 25 B "D - KASK" wird gekauft. Das jährliche Fliegerfest erfreut sich zunehmender Beliebtheit und fand 1983 zum 25. Mal statt Es wird als "Volksfest des Inntals" bezeichnet und ist aus dem Vereinsgeschehen nicht mehr wegzudenken.

1976: 25 Jahre Flugsportverein Rosenheim

Ein großer Tag für den FSV war die Feier des 25jährigen Bestehens mit Feldgottdienst und Flugzeugweihe auf dem Flugplatz in Flintsbach am 16 Mai 1976. Als Gründungsmitglieder wurden vom Erstem Vorsitzenden A. Calligaro mit Urkunden und Abzeichen geehrt: Karl Herget, Fluglehrer und Gruppenfluglehrer; Sepp Dasch, Fluglehrer und Ausbildungsleiter; ..Alwin Waldmann, Fluglehrer und Zweiter Vorsitzenden, Erich Schaad, Schriftführer, Kassier und Zweiter Vorsitzender; Rudolf Watzka, Mitbauer der ersten Winde; und als weitere "Männer der ersten Stunde" Fritz Eckhardt, Alois Schmid und Hans Meinhardt. Alfred Calligaro trat aus persönlichen Gründen 1977 zurück. Das große Verdienst dieses Mannes war es, den Verein auf eine gesunde finanzielle Basis gestellt und auf dem Fluggelände für die notwendige Infrastruktur gesorgt zu haben. Als sein Nachfolger führte Heinz Hofmann den Verein kraftvoll und engagiert durch die folgende Jahre (1977 bis 1981).

Durch modernere (Kunstoff-) Segelflugzeuge wurden beachtliche Leistungen erflogen, z. B. Alpenüberquerung (Flintsbach - Bozen, Hans Haas), 300 km, 400 km und 500 km Dreiecks- und Zielrückkehrflüge (Willy Kriechbaum, Sepp Kronast. Rudi Vollendorf, Josef Then und Hans Then, Reinhold Ferstl, Armin Fertl, Reinhold Roeder, Willis Rötscher, Jochen von Freilizsch). Höhen von 3000 m bis über 10.000 m im Föhnflug in Tirol erreichten Willy Kriechbaum - er verfehlte mit 10.024 m nur knapp den deutschen Rekord -, Sepp Kronast, Josef Then, Willis Rötscher, Rudi Vollendorf, Reinhold Roeder, Reinhold Ferstl und Walter Kronester.

Der FSV in den 1980er

Ab 1981 wurde der FSV von Armin Fertl geführt. 1938 in Traunstein geboren, trat Fertl 1963 in den FSV ein und legte 1975 die Segelfluglehrerprüfung mit Erfolg ab. Damit fungiert erstmals an der Spitze des Vereins ein erfahrener Fluglehrer und erfolgreicher Leistunsgflieger. Der FSV steht heute auf einer gesunden finanziellen Basis, was zweifellos auch ein Verdienst des für dieses Amt hochqualifizierten Schatzmeisters Willi Schwinn ist.
Die Vorstandschaft 1983 setzt sich zusammen aus dem Ersten Vorsitzenden Armin Fertl, dem Zweiten Vorsitzenden Alois Schmid, dem Kassier Willi Schwinn, dem Schriftführer Reinhold Roeder, dem Werkstattleiter Sepp Kronast, dem Ausbildungsleiter Ewald Krombholz, dem Jugendbetreuer Alwin Waldmann, den Beiräten Dr. Peter Negwer, Alfred Pichlmaier und Rudi Vollendorf. Die Zahl der Mitglieder betrug 73.

Die späten 80er Jahre - Zeit der Krise

Der FSV musste hinnehmen, dass durch eine geplante Baumaßnahme der Gemeinde der Bestand des Flugplatzes Flintsbach in Frage gestellt wurde. Im Dezember 1987 ging das Amt des 1. Vorstand auf Peter Negwer über. Die ersten Jahre seiner Amtszeit waren mit der Suche nach einem Ersatzgelände für Flintsbauch ausgefüllt. Es wurden nacheinander 12 Projekte in Angriff genommen. Alle blieben erfolglos, wobei das letzte Projekt bei Au bis zu einem Probeflugbetrieb gediehen war (Herbst 1989). Es scheiterte letztlich daran, dass es zum Gegenstand des Kommunalwahlkampfes gemacht wurde. Im August 1990 wurde Flintsbach für den Windenflugbetrieb gesperrt. Im folgenden Winter führte das 13. Flugplatzprojekt zum Erfolg. Schon im Frühjahr 1991 konnte der Flugbetrieb in Brannenburg aufgenommen werden, zunächst probeweise, bis ein Jahr später das Luftamt Südbayern die endgültige Platzzulassung erteilte.

1991: 40 Jahre FSV

Im Herbst 1991 feierte der FSV die Einweihung des neuen Segelfluggelände und zugleich sein 40jähriges Jubiläum mit einer Feldmesse. Pläne zum Bau einer Halle waren zunächst wegen unrealistischer Forderungen und Auflagen nicht zu verwirklichen. Am 05.08.1996 kam es zu einem ungeklärten Absturz auf dem Segelfluggelände Brannenburg, wobei der langjährige Schriftführer des Vereins, Reinhold Roeder, ums Leben kam.
Seit 1999 genießt die Flugschule Hochrieß Gastrecht auf dem Segelfluggelände und führt dort Ihre Windenschlepp-Ausbildung durch.

FSV heute

Heute hat der FSV mit denselben Problemen zu kämpfen, wie die meisten anderen Fliegerclubs: stagnierende Mitgliederzahlen und Überalterung. Aber der Verein lebt! Er hat eine funktionierende Werkstatt für Gemischt- und Verbundbauweise, die praktische Ausbildung ist gesichert, es wird weiterhin Theorieunterricht erteilt. 2 Motorsegler und 5 Segelflugzeuge stehen zur Verfügung.